Für Kanzleien
Vorstellungsgespräch in der Steuerkanzlei: Fragen, die etwas verraten
· 6 Minuten Lesezeit
Ein Vorstellungsgespräch in der Steuerkanzlei ist eine Gelegenheit für beide Seiten. Die Fachkraft prüft, ob sie in dieser Kanzlei arbeiten möchte. Die Kanzlei prüft, ob die Fachkraft zu Mandanten, Team und Aufgaben passt. Viele Gespräche kippen, weil nur eine Seite fragt. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie ein Gespräch aufbauen, welche Fragen etwas verraten und welche Sie besser nicht stellen. Er ersetzt keine Rechtsberatung.
Vorbereitung: Wissen, was die Stelle braucht
Bevor Sie Fragen sammeln, klären Sie intern, was die Stelle verlangt. Was muss die Person am ersten Tag können, was darf sie lernen? Welche Mandate bekommt sie, wer ist ihre Ansprechperson? Ohne diese Antworten fragen Sie alles ab und erfahren am Ende wenig.
Lesen Sie die Unterlagen vorher und markieren Sie, was Sie vertiefen wollen: Lücken im Lebenslauf, Wechsel nach kurzer Zeit, Schwerpunkte. Lücken und Wechsel sind keine Mängel, sie sind Anlass zu einer Frage.
Der Aufbau eines guten Gesprächs
Ein Gespräch von etwa 60 Minuten lässt sich gut gliedern:
- Ankommen und kurze Vorstellung der Kanzlei (etwa 10 Minuten).
- Werdegang und Motivation der Fachkraft.
- Fachliche Fragen mit Beispielen aus der Praxis.
- Arbeitsweise und Zusammenarbeit.
- Fragen der Fachkraft und gemeinsamer Ausblick.
Beginnen Sie mit einer offenen Frage, etwa: „Erzählen Sie mir, was Sie in Ihrer jetzigen Stelle am liebsten machen." Das senkt die Anspannung und zeigt, was der Person wichtig ist.
Fachliche Fragen, die mehr zeigen als Lehrbuchwissen
Abfragen von Vorschriften verraten wenig, denn vieles lässt sich nachschlagen. Aussagekräftiger sind Fragen zu realen Situationen:
- „Ein Mandant schickt Belege erst nach der Frist. Wie gehen Sie vor?"
- „Welche Mandate haben Sie zuletzt betreut, und woran haben Sie gemerkt, dass eine Arbeit fertig ist?"
- „Wann haben Sie zuletzt einen Fehler in Ihrer Arbeit oder in der eines Kollegen entdeckt, und was ist dann passiert?"
- „Mit welcher Software arbeiten Sie sicher, und wo brauchen Sie Einarbeitung?"
Hören Sie auf Details. Wer konkret erzählt, hat die Situation erlebt. Wer in Allgemeinplätzen bleibt, hat sie vielleicht nur beobachtet. Beides kann passen, es hängt von der Stelle ab.
Arbeitsweise und Zusammenarbeit
Die Frage nach dem Wechselgrund gehört dazu, aber freundlich gestellt: „Was soll an der neuen Stelle anders sein als an der jetzigen?" Die Antwort zeigt Erwartungen, ohne dass sich jemand rechtfertigen muss. Lästern über den bisherigen Arbeitgeber ist ein Warnzeichen, vorsichtiges Abwägen eher ein gutes.
Fragen Sie auch nach der Arbeit unter Druck: „Wie organisieren Sie sich vor Fristen?" und „Wie wünschen Sie sich Zusammenarbeit, wenn es eng wird?" So erfahren Sie, wie jemand arbeitet, und die Person erfährt, dass Sie Fristenzeiten ernst nehmen.
Fragen, die Sie nicht stellen sollten
Manche Fragen sind im Bewerbungsgespräch in der Regel unzulässig oder riskant, etwa zu Schwangerschaft, Familienplanung, Religion, Herkunft, Gesundheit oder Parteizugehörigkeit. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt Bewerber vor Benachteiligung. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie Ihre Fragenliste vorher juristisch prüfen. Fragen Sie stattdessen nach dem, was für die Stelle zählt: Verfügbarkeit, Arbeitszeitwünsche, Weiterbildungsziele.
Was Bewerber von Ihnen erwarten
Rechnen Sie mit Gegenfragen, und freuen Sie sich darüber. Gute Fachkräfte wollen wissen:
- Wie sieht ein typischer Tag aus, und wie viele Mandate kommen auf eine Person?
- Wie verläuft die Einarbeitung? (Mehr dazu im Beitrag Onboarding in der Steuerkanzlei.)
- Welche Weiterbildung wird unterstützt?
- Warum ist die Stelle frei?
- Wie lange arbeitet das Team schon zusammen?
Antworten Sie ehrlich. Wer in der Fristenzeit Überstunden erwartet, sollte das sagen. Eine Fachkraft, die es vorher weiß, kann sich entscheiden. Eine, die es erst nach Monaten erfährt, geht.
Nach dem Gespräch
Antworten Sie zügig. Fachkräfte mit Erfahrung haben oft mehrere Gespräche gleichzeitig, und wer lange nichts hört, nimmt an, es werde nichts. Wenn Sie noch Zeit brauchen, sagen Sie das mit einem Datum. Auch eine Absage ist eine Rückmeldung, die man schuldet, und sie prägt, wie über Ihre Kanzlei gesprochen wird.
Ein Probearbeitstag kann bei der Entscheidung helfen. Klären Sie vorher, ob und wie er vergütet wird und was die Fachkraft dabei sehen darf, vor allem im Hinblick auf Mandantendaten und Verschwiegenheit.
Einfache Checkliste
- Anforderungen der Stelle und Ansprechperson sind geklärt.
- Unterlagen sind gelesen, Fragen dazu notiert.
- Es gibt vier bis fünf Praxisfragen statt Wissensabfrage.
- Die Fragenliste enthält keine unzulässigen Fragen.
- Antworten auf die wahrscheinlichen Gegenfragen sind vorbereitet.
- Die Rückmeldung ist mit Datum zugesagt.
Wenn Sie nur wenige, passende Gespräche führen möchten
Viele Kanzleien führen zu viele Gespräche mit Menschen, die nicht passen. Das kostet Zeit, die in der Fristenzeit fehlt. KanzleiKreis stellt Ihnen wenige Profile vor, bei denen wir Aufgaben, Arbeitsweise und Erwartungen vorab besprochen haben. Jedes Profil geht nur mit Zustimmung der Fachkraft an Sie. Mehr dazu im Beitrag Direktvermittlung oder Stellenanzeige und auf der Seite Für Kanzleien.