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Für Fachkräfte

Gehaltsverhandlung in der Steuerkanzlei: So bereiten Sie das Gespräch vor

· 6 Minuten Lesezeit

Über Geld zu sprechen fällt vielen Fachkräften in Steuerkanzleien schwer. Es gibt keine Gehaltstabelle für alle, und der Chef sitzt oft im Nebenzimmer. Trotzdem lohnt sich das Gespräch, wenn Sie es vorbereiten. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie vorgehen, ob in der eigenen Kanzlei oder bei einem neuen Angebot. Konkrete Gehaltszahlen nennen wir hier bewusst nicht, denn sie hängen von Region, Mandantenstruktur, Verantwortung und Qualifikation ab. Wovon, lesen Sie in Gehalt in der Steuerkanzlei: Wovon es abhängt. Der Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Der richtige Zeitpunkt

Ein Gespräch gelingt eher, wenn die Kanzlei Zeit hat. Mitten in der Fristenzeit hört niemand gut zu. Gute Anlässe sind:

  • Sie haben eine Weiterbildung abgeschlossen.
  • Ihre Aufgaben oder Ihre Verantwortung sind deutlich gewachsen.
  • Sie haben ein größeres Projekt erfolgreich abgeschlossen.
  • Das Jahresgespräch steht an, oder die Probezeit ist vorbei.

Bitten Sie um einen Termin, statt zwischen zwei Mandantenterminen zu fragen. „Ich würde gern in Ruhe mit Ihnen über meine Entwicklung und meine Vergütung sprechen" reicht als Ankündigung.

Die Vorbereitung

Schreiben Sie auf, was sich seit der letzten Anpassung geändert hat:

  • Welche Mandate betreuen Sie heute, und welche waren es früher?
  • Welche Aufgaben haben Sie zusätzlich übernommen, etwa Einarbeitung neuer Kollegen, Abschlüsse oder Betriebsprüfungen?
  • Welche Qualifikation haben Sie erworben?
  • Welche Rückmeldungen von Mandanten und Kollegen gab es?

Mit solchen Punkten sprechen Sie über Leistung statt über Wünsche. Wer das belegen kann, wird ernster genommen.

Orientieren Sie sich außerdem am Markt. Das geht über Gespräche im Fachkreis, Gehaltsangaben in Stellenanzeigen und, wenn Sie wollen, ein Gespräch mit einer Vermittlung. Gehen Sie nicht von einer einzigen Zahl aus, sondern von einem Rahmen.

Die Zahl nennen

Nennen Sie Ihre Vorstellung selbst, nicht erst auf Nachfrage. Wer zuerst eine Zahl nennt, setzt den Anker. Wählen Sie dabei eine Höhe, die Sie begründen können, und nennen Sie sie ruhig und ohne Entschuldigung. Eine Spanne mit einer unteren Grenze, mit der Sie zufrieden wären, ist oft klüger als eine einzelne Zahl.

Das Gesamtpaket

Geld ist nur ein Teil. Wenn die Kanzlei beim Gehalt nicht mitgehen kann, sind andere Punkte verhandelbar:

  • Arbeitszeit und Homeoffice-Tage
  • Unterstützung bei einer Weiterbildung, finanziell und durch Freistellung
  • Zusätzliche Urlaubstage oder Ausgleich für Mehrarbeit
  • Zuschüsse, etwa für Fahrten oder Verpflegung
  • Eine klar benannte nächste Aufgabe mit Perspektive

Fragen Sie, was der Kanzlei möglich ist, und lassen Sie sich Zusagen schriftlich geben.

Das Gespräch führen

Beginnen Sie mit einer positiven Einordnung: Wie gern Sie in der Kanzlei arbeiten und was Sie weiterbringen möchten. Dann nennen Sie Ihre Punkte, Ihre Vorstellung und fragen, wie die Kanzlei das sieht. Hören Sie zu. Oft kommt eine Einschränkung, etwa die Auftragslage oder eine feste Gehaltsstruktur. Fragen Sie nach, was sich ändern müsste, damit Ihre Vorstellung möglich wird.

Vermeiden Sie Drohungen und Vergleiche mit Kollegen. Auch ein Wechselangebot als Druckmittel erzeugt selten die Wirkung, die man sich wünscht. Wer ehrlich über seine Perspektive spricht, erreicht mehr.

Wenn die Antwort Nein lautet

Ein Nein ist keine Absage an Sie. Fragen Sie nach dem Grund und nach einem Zeitpunkt, zu dem Sie das Thema wieder besprechen können. Vereinbaren Sie ein Datum und, wenn möglich, Kriterien, anhand derer die Entscheidung fällt. Halten Sie das Ergebnis des Gesprächs in einer kurzen Mail fest.

Bleibt es bei Nein und fehlt jede Perspektive, ist das eine Information über die Kanzlei. Dann lohnt ein Blick auf andere Angebote. Fragen für diesen Fall finden Sie im Beitrag Woran Sie eine gute Kanzlei erkennen.

Bei einem neuen Angebot

Auch bei einem Wechsel wird verhandelt, meist nach dem Vorstellungsgespräch. Sprechen Sie die Vergütung an, bevor Sie zusagen, und vergleichen Sie das Gesamtpaket: Gehalt, Arbeitszeit, Aufgaben, Weiterbildung, Probezeit und Kündigungsfrist. Lesen Sie den Vertrag genau und lassen Sie ihn im Zweifel prüfen.

Kurze Checkliste

  1. Der Zeitpunkt ist ruhig und der Termin vereinbart.
  2. Ihre Leistungen und Aufgaben sind aufgeschrieben.
  3. Sie kennen einen Marktrahmen und eine Spanne.
  4. Sie nennen Ihre Zahl selbst und begründen sie.
  5. Sie haben Alternativen im Gesamtpaket bedacht.
  6. Zusagen halten Sie schriftlich fest.

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